Voller Körpereinsatz für Qualitätskontrolle
„Von der Näherin bis zur Sekretärin – viele im Haus kennen sich gegenseitig in Unterwäsche“, sagt Monique Egert, Leiterin der technischen Produktentwicklung bei Palmers, und meint das ernst. Schließlich gehört das Anprobieren von Dessous und Strumpfhosen zum Arbeitsalltag vieler Mitarbeiterinnen der Palmers-Zentrale. Regelmäßig bitten die verantwortungsbewussten Damen aus der Qualitätsabteilung zum Produkttest: „Wir haben gerade die neuen Bikinis bekommen, kommst du mal rüber zum probieren?“ Das Erproben neuer Musterstücke wird keinen standardisierten Puppen überlassen oder unnatürlichen Supermodels. Jede Neuentwicklung muss realen Bedingungen standhalten, aber das ist noch nicht alles. Bis die seidigen Negligés und verführerischen Strümpfe in den Palmers-Filialen angeboten werden dürfen, müssen sie einiges hinter sich bringen. Doch der Reihe nach. Vom Papier ins Geschäft – ein langer Weg.
Zuerst bringen die Designer ihre Vorstellungen zu Papier. Danach gehen die ausgearbeiteten Entwürfe an einen bewährten Hersteller, der die Prototypen schneidert und in den gewünschten Variationen an die Palmers-Zentrale liefert. Dort müssen die Stücke etliche Torturen über sich ergehen lassen, bevor sie vom Prototyp zum Produktionsmuster avancieren. Bis zum Endprodukt ist es noch ein langer, steiniger Weg.
Die Produktentwicklerinnen zerren an der Spitze und den Strass-Applikationen, prüfen alle Nähte und malträtieren die Verschlüsse. „zu scharfkantig!“, bemängelt eine Kontrolleurin und schickt Beurteilung und Änderungswünsche an den Hersteller zurück. Meistens geht es aber nur um Details. Schließlich arbeitet Palmers mit den meisten Produzenten schon seit Jahrzehnten zusammen. und die wissen, worauf eine große Marke wie Palmers Wert legt: höchste Qualität. sollte es doch einmal Unklarheiten geben, zeigen die peniblen Profis der hauseigenen Musterschneiderei, wie die Naht läuft.
Härtetest Alltag
Erst nach endgültiger Freigabe der Qualitätsabteilung bekommt der Hersteller den Auftrag für Musterstücke – und die werden selbstverständlich wieder eingehend getestet. Die Palmers-Hausmodels tragen die Muster dann beim Ausgehen, beim Staubsaugen zu Hause oder beim Meeting in der Chefetage. Danach kommen die Teile in die Waschmaschine und es wird geschaut, wie sie sich verhalten. Kurz – der Alltag der Palmers-Kundin wird simuliert und den Qualitätsmanagerinnen detailliert Bericht erstattet: Hat es irgendwo gezwickt? War die Passform angenehm? Wie war das Tragegefühl insgesamt? Dann wird geschaut, ob die Farbe nach dem Waschen noch die gleiche ist, ob das Muster seine ursprüngliche Form behalten hat und vieles mehr. „Natürlich muss ein zarter Feinstrumpf oder etwa ein Negligé nicht alles aushalten, aber den speziellen Materialvorgaben müssen die Produkte zu 100 Prozent entsprechen“, stellt Monique Egert klar und zeigt auf sich selbst. „ich habe gerade so ein empfindliches Strumpfmuster an. Mal sehen, ob es meinen Erwartungen entspricht.“
Stichproben mit System
Endlich, manchmal erst nach einem Jahr Entwicklungsarbeit und zahlreichen Tests, landet die neue Ware in den Läden. Jedoch nicht ohne einen weiteren Zwischenstopp bei den gestrengen Prüferinnen. Nach einem genormten System ziehen die Qualitätsmanagerinnen Stichproben und wiederholen die ganze Prozedur von vorne. Sollte da etwas nicht stimmen, wird die gesamte Ware rückgeholt. „Glücklicherweise kommt das so gut wie nie vor“, betont Egert, zupft an ihrer Strumpfhose, runzelt die Stirn und macht sich eine Notiz.
Ein österreichisches Team, jede Menge technische Raffinessen und ein Shooting, das sich ausschließlich im grünen Bereich abspielte. Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen. Denn ein Wunder allein ist nicht genug, um ein Wonderland entstehen zu lassen.
Das Shooting war eine echte Herausforderung für mich“, erzählt Kathrin Werderitsch, die direkt von einer Foto-Location aus New York in ein Wiener Studio für das Kampagnen-Shooting der etwas anderen Art eingeflogen war. Denn statt einer stimmungsvollen Umgebung wartete auf das österreichische Topmodel nur eine grellgrüne Umgebung mit ein paar Accessoires, wie dem großen Kreis, aus dem später eine Palmers Münze werden sollte. Hintergrund war eine Greenbox, die wie eine leere Leinwand funktioniert und auch bei Hollywoodfilmen wie „Fluch der Karibik“ zum Einsatz kommt. Ein technisch notwendiger Platzhalter für die Traumwelt, die später ausschließlich am Computer entstand. Eine schauspielerische Leistung. Die Regie hinter der Kamera führte dabei übrigens der ebenfalls in New York lebende österreichische Fotograf Mario Schmolka.
Aber zurück zum Anfang. Die Arbeit an der aktuellen Kampagne von Palmers begann lange vor dem sechstägigen Studio-Shooting. Von der Idee bis zu den fertigen Bildern arbeitete das Palmers Team fast ein halbes Jahr. Zuerst wurden Skizzen erstellt, wie die Bilder später aussehen sollten. Es wurde mit höchstem technischem Aufwand eine Welt kreiert, die der Realität einen Streich spielen sollte. „Ein weiterer Punkt für unsere künstliche Welt war das Lichtkonzept. Denn das Licht ist eine schöne Ebene, um für die gezeigte Wäsche die passenden Emotionen zu erschaffen. Wir wollten ein wohliges Gefühl vermitteln“, so Margot Heinrici. Das ist dem Team von Palmers gelungen.
Der Kreateur - Stefan Gutternigh ist Grafiker bei Palmers. Wenn er sich nicht gerade um Verpackungsdesign und den optischen Auftritt der Marke kümmert, skizziert er die neuen Kampagnen und hat den technischen Überblick:
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, das Palmers Wonderland zu erschaffen?
Am Anfang spielt die Inspiration von der Geschichte von „Alice im Wunderland“ eine große
Rolle. Aber wir wollten ihre Welt aus Seifenblasen, Pilzen und Kartenhäusern in ein Universum
verwandeln, in dem Sinnlichkeit und Romantik eine große Rolle spielen. So hat uns der Weg zu
einem Spiel aus Mikro- und Makroelementen geführt. Außerdem haben wir in jedes Bild das
Palmers Krönchen eingebaut. Solche Spielereien machen einfach Spaß, und man entdeckt immer
wieder neue Dinge auf den Fotos.
Wie viel Technik steckt dahinter?
Die Produktion war extrem aufwendig. Die meisten Sujets sind ausschließlich am Computer entstanden. Je komplexer der Hintergrund, desto länger mussten auch die Computer rechnen. Man muss sich vorstellen, dass sogar jeder einzelne Lichtpunkt beim Hintergrund digital programmiert wurde. Bei aller Künstlichkeit sollte das Ergebnis ja natürlich aussehen. Nachdem der Background in einem komplizierten Computerprogramm namens Cinema 4D erstellt war, hat es oft bis zu 20 Stunden gedauert, bis man ein einziges fertiges Bild anschauen konnte.
Aber das Ergebnis sieht so selbstverständlich aus.
Das war auch das Ziel. Bei den Bildern muss ja immer noch die Wäsche im Vordergrund stehen
und nicht die Technik, die dahintersteckt. Den überdimensionalen BH haben wir tatsächlich fotografiert. Allein dieses Shooting hat sieben Stunden gedauert. Im Nachhinein wurde der BH dann aus acht verschiedenen Bildern zusammengesetzt, um genau die Stimmung wiederzugeben, die wir wollten. Den Aufwand darf man aber am Schluss nicht spüren.
Warum war der Hintergrund beim Shooting grün?
Grün ist die einzige Farbe, die nicht im menschlichen Körper vorkommt. Daher konnte man die Fotos mit dem Model gut in eine künstliche Welt einsetzen. Wir haben mit einer ähnlich Technik gearbeitet, die auch in Hollywood verwendet wird.
Wie kann man sich einen Arbeitstag im Palmers-Designteam vorstellen?
Einen klassischen Arbeitsalltag gibt es eigentlich nicht, da wir immer mit anderen Stufen der Kollektionsentwicklung beschäftigt sind. Es gibt Tage, an denen wir, umgeben von Farbfächern, nach dem perfekten Farbthema für eine Serie suchen oder in Stoffproben gustieren. Dann gibt es aber auch Zeiten, in denen wir viel am Computer sitzen, etwa um Modellskizzen zu kolorieren oder Informationen für unsere Lieferanten aufzubereiten.
Woraus schöpfen Sie die Inspiration für Ihre Arbeit?
Auf ganz unterschiedliche Weise. Typische Informationsquellen sind etwa Fachmessen für Unterwäsche oder spezielle Seminare, auf denen Trends schon zwei Jahre im Vorfeld besprochen werden. Dabei kann es auch um völlig andere Warengruppen, wie etwa Interior, gehen. Entscheidend ist es, Stimmungen zu erzeugen, zukünftige Strömungen zu veranschaulichen. Unsere Aufgabe ist es dann, diese Trends für den Bereich Wäsche zu adaptieren.
Welche Schritte liegen zwischen der Idee und dem fertigen Wäschestück?
Zwischen der Ideenfindung und dem fertigen Artikel vergeht in etwa ein Jahr. In dieser Zeit durchläuft eine Kollektion sehr viele verschiedene Prozesse: vom anfänglichen Brainstorming über das Erstellen der Skizzen und die Fertigung der Prototypen bis hin zur Produktion.